1944
 
23 Sept. Abend in Charlottenburg mit franzosen,
Georges André Martin, seiner freundin, Mme Merle
und 2 franz. Ärzten, ehemal. Kriegsgefangenen.
Alle diese Leute dürften heute als Emi-
granten angesehen werden, da sie Petain-anhänger
sind, teilweise mit der „francisque“ dekoriert,
und kollaborationistisch denken oder wenigstens
behaupten, es zu tun. Der Abend beginnt in
der Küche, wo jedem der Eingeladenen eine
Arbeit zugewiesen wird. Man ist mit den
Vorbereitungen für ein formidables „gueuleton“
beschäftigt, dessen Rohstoffe von Zuwendungen
des roten Kreuzes geliefert worden sind,
dem die Gastgeber nahestehen. Der Eindruck
lässt sich nicht abwenden, dass zu diesem
Zweck überreichlich in die Beständen der
Wohlfahrtseinrichtung gegriffen wurde, über
das Zuteilungsmass hinaus. Dieser Ein-
druck gewinnt greifbare form, als man mir
zum Abschied 3 Paketchen engl. Tee
schenkt, den ich natürlich dankbar annehme.
Unterhaltung sympathisch, lebendig – soweit
die immerhin gedrückte, nervöse Stimmung
es zulässt.   Alle diese Leute sind – wenn
nicht Todes - so doch Gefängniskandidaten.
Aber blüht nicht jedermann heute das gleiche
Schicksal? - Wunderbarer, sonniger